Nick Bril aus dem The Jane in Antwerpen lässt im Rheingau kulinarisch die Glocken klingen

Nick Bril ist einer von gerade einmal zwei Köchen weltweit, die jemals vom Gault-Millau mit 20 Punkten ausgezeichnet wurden. In seinem früheren Lokal „Out Sluis“  erkochte er drei Michelin Sterne. Gemeinsam mit Sergio Hermann eröffnete er in Antwerpen das „The Jane“, eine ehemalige Kirche und heute einer der angesagtesten kulinarischen Hot Spots in Europa. Küchenchef Nick Bril kocht auf dem Rheingau Festival ein raffiniertes Menü, das ein starkes Zeichen dafür ist, warum sein Restaurant „The Jane“ stets für Monate im Voraus ausgebucht ist!

Da sitzt der Wolf ganz brav am Tisch: Nick Bril im Interview mit Lustfaktor-Autorin Angela Berg / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Natürlich fragt man Nick Bril nach Jane – The Jane und woran es denn seiner Meinung nach liegt, dass es fast unmöglich ist, spontan einen Tisch zu bekommen. Und auch wenn man ein vorausschauender Restaurantgänger ist, muss man viel Geduld mitbringen, bis man Platz nehmen darf in der ehemaligen Kirche, in der das Essen zur neuen Religion erhoben wurde und die offene Küche an der Stelle des Altars steht.

Anbetungswürdige Kreativität: Das Dessert von Nick Bril – mystisch, wie die Stickstoffwolke die Schokoladenkugeln einhüllt / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Zu dieser Situation höre ich als erstes eine Entschuldigung von Nick Bril. Wir sind extrem überbucht und entschuldigen uns dafür, aber zu erklären ist dies mit dem Hype, der sich aus unserem Konzept entwickelt hat. Gemeint ist damit die Kombination einer ziemlich einzigartigen Location, mit einem durchdachten Design von Interieur und Musik und mit einer extrem kreativen Küche.

Nick Bril in zivil, da sieht er mehr nach DJ als nach Chefkoch aus / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Orgelmusik war gestern – Style and Taste ist heute

Techno und House-Musik bringen Balance in Nick Brils Leben. Hier kann er sich austoben und am DJ-Pult den Bad Boy spielen. Diese Musik ist auch Teil des Gesamtkonzepts in The Jane und schallt durch den ehemaligen Kirchenraum. Die Lautstärke ist, wenn man so will hausgemacht. Der Raum, so Nick Bril, ist bis zu 40 Meter hoch, da ist es laut. Die Musik bettet die Gespräche der Gäste ein. Mittlerweile legt Nick Bril seine Musik auch auf Festivals auf. Seine Compilations verkaufen sich erfolgreich. Seit kurzem hat er eine eigene Radioshow names UNDER. Und sollte es mit einer Tischreservierung im The Jane nicht so schnell gehen, dann kann man sich The Jane – Volume 2 auf der Restaurant-Website online bestellen und so ein wichtiges Element aus dem Gesamtkonzept des Restaurants nach Hause holen.

An diesem Abend ist Nick Bril an allen Fronten. Hier wird der Jakobsmuschel vom Chef persönlich noch das Apfel-Clementinen-Mus zur Seite gestellt / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

The Jane sollte ursprünglich La Chapel heißen, aber im Laufe der mehrjährigen Konzeptentwicklung für das Restaurant wurde klar, dass dieser Name zu erwartbar klingt für das komplett Neue, dass Nick Bril zusammen mit Sergio Hermann erschaffen wollte. Der Name sollte auf jeden Fall weiblich sein. Jane gefiel uns, sagt Nick Bril. The Jane gefiel uns noch besser.

Direktimport aus Antwerpen: Nick Bril garniert das Clementinen-Sorbet an einen frischen Sellerie—Apfel-Salat mit einer Vinaigrette aus Buttermilch an die Jakobsmuschel / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Das Menü von Nick Bril: Kreativ und überraschend

Nun ist der Rheingau nicht Antwerpen, eine Kirche mit samt dem innovativen Restaurantkonzept passt nicht ins Handgepäck und Housemusik nicht ins Kronenschlösschen. Also bleibt allein die kreative Küche übrig, um den Festivalgästen Appetit auf einen künftigen Kirchenbesuch zu machen.

Briefing von Küchenchef zu Küchenchef: Nick Bril im Gespräch mit Simon Stirnal vom Kronenschlösschen / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Nick Bril: Kommunikator zwischen den Welten

Neben seinen Kochkünsten reist aber auch Nick Brils Talent für Motivation und Entertainment mit in den Rheingau. Sein Küchenteam hält er auf Trapp und bei Laune, berichtet in der Küche am Pass von der guten Stimmung und Erwartungsfreude im Restaurant. Für die Gäste wiederum moderiert er fast jeden Gang persönlich an. Erwähnt eine kleine Besonderheit im Arrangement oder erklärt eine Zutat oder gleich die grundsätzliche Herangehensweise an seine Gerichte. Ein Glücksfall für die Gäste, die auf diesem Festival zwar durch die oftmals anwesenden Winzer viel über die Weinbegleitung erfahren, aber wenig Information zum Menü erhalten.  Hier eine kleine Moderations-Kostprobe des 2-Sterne-Kochs Nick Bril.

Hier lässt Nick Bril sich mit samt des Teams Feiern. Zwischen den Gängen stand er allein vor den Gästen und hat sein Menü erklärt / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Nick Bril: „Bitte nicht Picken!“

Der erste Gang ist nordisch inspiriert mit Makrele und Muscheln. Ich möchte meinen Gästen kreative Gerichte bieten. Daher reise ich gerne, Ich reise viel, nicht so viel wie ich gerne möchte, aber viel. Daraus ziehe ich meine Ideen und Kreationen. Heute gibt es zu dem Fisch Laktose basierte Säure aus der Molke. Ich denke das geht sehr gut mit dem ausgewählten Wein. On Top gibt es frisch geriebenen Meerrettich. Er sorgt für die Schärfe. Bitte mischen Sie das Essen. Mein Essen ist nicht dafür gemacht es vorsichtig zu picken, sondern mischen und dann die verschiedenen Aromen in ihrem Mix zu genießen.

Chefsache: die Makrele auf dem Fototeller bekommt den Meerrettich vom Chef persönlich verpasst / © Lustfaktor, Foto Georg Berg
Und hier der Gegenschuss vom ersten Gang: Muscheln, Makrele, Anis und Molke / © Lustfaktor, Foto Georg Berg / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Vor Beginn des Menüs präsentiert Riccardo Ricci Curbastro als Aperitif seinen Franciacorta Saten Brut 2012, eine überragende Qualität, vergleichbar mit besten Champagnern.

Der Aperitif des Abends: Franciacorta Saten Brut 2012, Riccardo Ricci Curbastro / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Das Dinner Nick Bril wird moderiert von Justin Leone, Chef-Sommelier im Restaurant Tantris in München. Der gebürtige Kanadier lebt seit 2011 in München. Seine vorherigen Stationen waren u.a. das 2-Sterne Restaurant im Berkely Hotel London und das Alinea Chicago, das zu den besten Restaurants Amerikas zählt.

Justin Leone liebt ausdrucksstarke Weine und Fashion-Accessoires. Seine coolen Schuhe sind auf diesem Foto leider nicht zu sehen / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Das Weingut Eva Fricke, 2015 von der FAZ zur „Aufsteiger-Winzerin des Jahres 2015“ gekürt, präsentiert zum ersten Gang von Nick Bril einen 2015 Lorcher Riesling QbA trocken.

Winzerin Eva Fricke brachte zum ersten Gang von Nick Bril einen Lorcher Riesling trocken mit / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Als zweiten Gang bringt Nick Bril eine Jakobsmuschel mit einem frisch-fruchtigen Clementinen-Sorbet zu einem Sellerie—Apfel-Salat mit einer Vinaigrette aus Buttermilch.  Was so leicht und wunderschön anzuschauen daherkommt, wird beleitet von zwei Weißweinen. Der zweiten Wein des Abends aus dem Weingut Eva Fricke ist ein 2015 Riesling Lorchhäuser Seligmacher. Sowie ein von Hans Oliver Sapnier präsentierter 2015 Battenfeld-Spanier Frauenberg GG vom Weingut Battenfeld-Spanier.

In Begleitung zu den fruchtigen Aromen von Nick Brils Jakobsmuschel gibt es Weißweine vom Weingut Eva Fricke und vom Weingut Battenfeld-Spanier / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Nach Muscheln und Makrele sowie der Jakobsmuschel serviert Nick Bril in seinem dritten Gang Hummer mit Dashi-Butter, geräucherter Roter Bete und Lachskaviar. Dashi ist ein japanischer Fischsud und gilt in der japanischen Küche als die Grundlage für jede Misosuppe.

Dashi ist der wichtigste Fond in der japanischen Küche.

Hummer mit Dashi-Butter, geräucherte Rote Beete und Lachskaviar / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Dieses von der satten japanischen Dashi-Butter umflossene Krustentier wurde von  einem Battenfeld-Spanier Mölsheim Riesling Late Release begleitet.

Ein 2013er Riesling Battenfeld-Spanier Mölsheim / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Im nächsten Gang wird von Nick Bril Taube auf den Tisch gebracht. Begleitet wird dieser Fleischgang von einer wunderbar ausbalancierten Komposition aus Jerusalem-Artikschocke mit der würzig fruchtigen Komponente von Blutwurst und Brombeeren.

Klingt noch besser als Topinambur, die Jerusalem Artischocke als Gemüsekomponente zum Täubchenschenkel / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Gleich drei Weine begleiten die Taube von Nick Bril. Bei den Rottönen und dem kräftigen Fleisch der Taube kommen an diesem Abend auch erstmalig Rotweine zum Einsatz.

Blutwurst und Brombeere bekommen geschmacklick Unterstützung von Dreierlei Rotweinen / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Carolin Spanier-Gillot, „Winzerin des Jahres 2015“, präsentiert aus ihrem Weingut Kühling-Gillot 2013 Kreuz Spätburgunder Magnum. Große toskanische Rotweine runden das Weinerlebnis ab. Carlo Franchetti präsentiert aus seiner Tenuta di Trinoro 2014 Le Cupole und 2014 Campo di Magnacosta.

Winzerin des Jahres 2015 – Carolin Spanier-Gillot steuert ihre Riesling Auslese zum Dessert bei / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Das Dessert mit Schokolade, Rum, Zitrone und Kokosnuss wird von einer Auslese begleitet. Die wunderschöne Komposition von Nick Bril wird abgerundet von einem 2015 Pettenthal Riesling Auslese aus dem Weingut Kühling-Gillot.

Der Abend klingt aus mit einem Digestif aus dem Haus Delamain. Alle Cognacs des traditionsreichen Familienunternehmens Delamain sind ausgezeichnet als Premier Cru, beim Festival gibt es die Rarität Cognac Delamain Vesper XO – GRANDE CHAMPAGNE.

Vesper XO – Cognac von Delamain Grande Champagne – so gut, dass er schnell leer war  / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Der Applaus der Gäste war ihnen gewiss. Nach den fulminanten fünf Gängen brachte Nick Bril sein Team und die helfenden Hände aus der Küche des Kronenschlösschens mit in den Saal.

Gute Stimmung und viel Applaus für Nick Bril und sein Team aus Antwerpen / © Lustfaktor, Foto Georg Berg

Diese Reportage wurde erstellt von den Lustfaktor-Autoren Angela Berg und Georg Berg.