I’ve got no roots,…

… diese Zeilen des Songtextes von Alice Merton treffen bei den Einbecker Bürgern nicht zu. Sind sich doch alle Menschen, die wir hier im Süden Niedersachsens kennenlernen durften, ihrer Wurzeln bewusst. Ja, sie sind mit Stolz in ihrer Heimat verwurzelt. Die Menschen, die wir kennenlernten sind offen, Neues zu entdecken, bewahren jedoch das Althergebrachte und geben es weiter.

Der Eingang zum Einbecker Senfkontor. Hinter dem Store wird der wohl beste Senf produziert / © Redaktion Lustfaktor

So saßen wir gedankenversunken im kleinen, sonnigen Innenhof der Einbecker Senfmühle, lauschten den Worten von Senfmüller Siegfried Kappey und dem Applaus seiner Zuhörer. Gleich sollten von ihm wir mehr über das Universalwürzmittel „Made in Einbeck“ erfahren.

Siegfried Kappey an seiner Senfmühle. Der Senf wird im Kaltpressverfahren hergestellt. Hier die typische Handbewegung zur Temperaturkontrolle  / © Redaktion Lustfaktor

Noch während des Prologs von Siegfried Kappey wurde uns klar, ein Mann mit Leidenschaft für sein Produkt steht uns gegenüber. Der „Direktor einer Senfanstalt“, wie er sich selbst nennt, erzählte von einem denkwürdigen Tag, dem 6. März 2009, als die drei Protagonisten der Einbecker Senfmühle Rainer Koch, Bodo Rengshausen und eben Siegfried Kappey den Grundstein für ihr Erfolgskonzept legten. Bis zur heutigen Senfmanufaktur dauerte es noch 13 Monate, auf dem beharrlichen Weg dahin, wurde viel ausprobiert und dazugelernt. Kurze Zeit später kam der kleine Verkaufsraum dazu.

Lustfaktor Redakteurin Annett Conrad nimmt das Probepaket mit den verschiedendsten Einbecker Senfsorten entgegen/ © Redaktion Lustfaktor

Gut Ding will Weile haben

Handgemachter Senf wird nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt. Dazu gehört schon eine gehörige Portion Wissen über Aromen und Texturen, Experimentierfreudigkeit, handwerkliches Geschick sowie Geduld.

Fürs Tasting des Einbecker Senfs hatten wir Brot gebacken, denn aus dem “Feinsüßen Senf” lässt sich ein wunderbarer Brotaufstrich herstellen / © Redaktion Lustfaktor

Die geschrotete Senfsaat wird mit Wasser, Zucker sowie Weinessig zu einer Maische angesetzt und sollte mindestens vierundzwanzig Stunden ziehen. Der anschließende Mahlvorgang zwischen den Blöcken aus Granit- und Basaltstein dauert ungefähr eine Stunde. Nach dem ersten Mahlvorgang wird die zerdrückte Masse noch ein weiteres Mal durch die Mühlsteine geschickt. Das in Fässer abgefüllte Endergebnis, reift dann ganz in Ruhe drei Wochen lang zu einer geschmackvollen Gewürzzubereitung.

Die fleissigen Bienen sind um Einbeck herum ausgeflogen. So finden regionale Zutaten im Honigsenf zusammen / © Redaktion Lustfaktor

Welche natürlichen und biologisch angebauten Ingredienzien auch immer den Weg in den Einbecker Senf finden, alle Zutaten werden gemeinsam vom ersten Schritt an verarbeitet. Von der Senfmaische bis zur Kaltvermahlung.

Die Produktvierfalt der Einbecker Senfmühle kann sich sehen lassen, für jeden Geschmack ist etwas dabei / © Redaktion Lustfaktor

Jede Senfsorte enthält weder Geschmacksverstärker noch Zusatzstoffe. Warum auch – bleiben doch bei der Kaltvermahlung die wertvollen Inhaltsstoffe – Senföl, Eiweiß und Glykoide – vollumfänglich erhalten, geben so diesem Senf seinen unverwechselbaren Geschmack.

Die Produktpalette kann sich sehen lassen. Neben dem Allrounder, dem Küchensenf, darf in Einbeck natürlich der Bockbiersenf nicht fehlen. Honigsenf, Traubensenf, Chilisenf und Kräutersenf runden das Portfolio ab. Außerdem fanden wir Buttersenf zur Zubereitung eines schmackhaften Brotaufstrichs und einen feinsüßen Senf. Henrys Echter, dieser zuckerfreie Scharfsenf sorgte bei uns für kulinarisches Aufsehen, sehr aromatisch und würzig. Aber wer ist Henry?

Henrys Echter: Eine Homage an den einstigen Senffabrikanten aus Einbeck “Henry Dähnhardt” / © Redaktion Lustfaktor

Der nordisch-scharfe Henrys Echter ist gemeinsam mit seinen milderen Geschwistern dem Küchensenf und dem Bockbiersenf Kulinarischer Botschafter Niedersachsens.

Bockbiersenf darf in der Bierstadt Einbeck nicht fehlen / © Redaktion Lustfaktor

Kostbares Niedersachsen

Und natürlich werden in dem Hand-made-Senf nur Zutaten vom Nachbarn verwendet, alles biologisch angebaut, dafür steht das Bioland-Siegel. Siegfried Kappey wirbt mit Nachdruck für die kritische Auseinandersetzung mit industriell gefertigten Lebensmitteln, für die Wachsamkeit, Gutes und Besseres vor der Haustür zu finden. Er suchte Gleichgesinnte sowie Bündnispartner seine Region durch Synergien zu stärken.

In dem eingetragenen Verein „Kostbares Niedersachsen“ haben sich unter dem Vorsitz des umtriebigen Siegfried Kappey regionale Erzeuger Südniedersachsens zusammengeschlossen. Klein- und mittelständige Betriebe produzieren für ihre Kunden, die um die Ecke zu Hause sind. Neues Vertrauen in Lebensmittel, nach all den Skandalen vergangener Jahre, muss hart erarbeitet werden und wir sind alle dazu aufgerufen, der Lebensmittelindustrie ihre Grenzen zu zeigen.

 

Kulinarische Botschafter Niedersachsens

Die Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswissenschaft e.V. ruft Erzeuger Niedersachsens auf, sich mit ihren Produkten im alljährlichen Wettbewerb einer Jury aus Spitzenköchen sowie Feinkostspezialisten zu stellen. Die Kriterien sind klar: Regional, authentisch, nachhaltig. Gerade in Manufakturen hergestellte Lebensmittel profitieren von diesem Label. Die qualitätsbewussten Kunden freut es, gibt es doch ein gutes Gefühl, zu wissen woher die verwendeten Produkte stammen und vielleicht seinen Erzeuger noch zu kennen.

Alles was als Rohstoff den Weg in dieses Glas gefunden hat, wird biologisch angebaut/ © Redaktion Lustfaktor

Einbeck hat durchaus mehr zu bieten als erstklassigen Senf. Auch das Einbecker Bier ist nicht von der Hand zu weisen. (Hier geht es zur ausführlichen Lustfaktor-Reportage über die Brauerei Einbeck)

Darüber hinaus gibt es in unserem Magazin eine interessante Reportage, was es sonst noch in Einbeck zu entdecken gibt. (Hier geht es zur ausführlichen Lustfaktor-Reportage über die Fachwerkstadt Einbeck)